Innere Freiheit & Intuition

Wie wir Gefühle/ Vorlieben vererbt bekommen

Ich bin mit der Idee groß geworden, dass wir die Anlagen für körperliche Erkrankungen vererbt bekommen. Folglich dachte ich als junger Mensch, dass wenn meine Mutter Brustkrebs bekommen würde, dass die Wahrscheinlichkeit dann groß ist, dass ich auch erkranke. Beim Arzt wurde man bei der Anamnese ja auch genau danach gefragt. Darum fand ich es immer ein wenig blöd, dass ich meine leiblichen Eltern gar nicht kannte, um mal nachfragen zu können. Seitdem ich von Bruce H. Lipton das Buch: Intelligente Zellen – Wie Erfahrungen unsere Gene steuern gelesen habe, denke ich ein wenig anders darüber. Ebenso lehrte mich die Erfahrungen in der Arbeit mit meinen Klienten, dass wir keineswegs unseren Genen einfach nur ausgeliefert sind, sondern dass wir einen großen Anteil an der Mitgestaltung unserer physischen und psychischen Gesundheit haben.

Prägende Kindheitserlebnisse

Aber über körperliche Vererbung möchte ich hier gar nicht schreiben, sondern eher über das weniger Greifbare. Nämlich die Vererbung von Charaktereigenschaftenn, Interessen und Gefühlen. Nehmen wir an, Du hast als Kind einen Unfall erlebt. Vielleicht bist Du unglücklich auf einem Steg am See ausgerutscht, verletzt ins Wasser gefallen und beinahe ertrunken. Als Kind verblassen solche Erinnerungen schnell, aber plötzlich als Erwachsener bist Du mit Freunden am See und kannst nicht wie all die anderen vom Steg ins Wasser springen. Eine Art aufsteigende Panik hält Dich zurück, ja sogar das Picknick auf dem Steg geht für Dich nur unter großer Anspannung. Bei deiner nächsten Therapiesitzung erzählst Du von dieser Angst. Vermutlich buddelt und gräbt die Therapeutin ein wenig und wird dir helfen, Dich zu erinnern, um dann die Angst gehen zu lassen. Denn heute hat sie keinen Nutzen mehr für Dich und hindert Dich bloß beim Genießen eines schönen Tages am See.

Bei diesem Beispiel ist es jedem klar, dass wir Erlebnisse in unserer Kindheit hatten, die uns prägten. Hier entstehen viele Glaubensmuster, die uns leider manchmal ganz schön auf unserem Weg hindern können. Wenn ich als Kind oft gehört habe: “Du kannst das nicht. Du bist zu dumm!” , ist die Wahrscheinlichkeit folglich groß, dass ich als Erwachsener hier erst mal ein wenig Umprogrammieren muss, um mir ein stabiles Selbstvertrauen zu erschaffen.

Vererbung von Glaubensmustern

Jetzt wird es aber ein wenig komplizierter. Unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und sicher noch mehr Generationen zurück, können uns ihre Glaubensmuster oder Gefühlsstrukturen vererben. Das ist ganz schön blöd, denn an diese kommen wir gar nicht so leicht heran. Dazu bedarf es einer großen Hellfühligkeit, um diese aufzudecken. Denn zum Beispiel meine Großeltern haben mit mir eher nicht über ihre Traumen und Gefühle geredet. Mein Opa war lange in Kriegsgefangenschaft und hat von dort eine wunderschöne Dankbarkeit dem Leben gegenüber mitgebracht. Die schreckliche Zeit dort hat er für sich im Stillen verarbeitet, eben nie über seine Erlebnisse geredet. Therapie, Coaching, Healingsessions und all diese wunderbaren Hilfsmittel, gab es damals ja auch nicht in dieser Menge wie heute.

Gefühle und ihre Ursachen, dann die Bewusstwerdung und die am Ende winkende Freiheit

Das heißt nun, wenn ich eine Angst vor etwas habe, dann komme ich in meiner Erinnerung vielleicht gar nicht zu der Ursache, weil sie einfach vererbt ist. Natürlich kann ich sie ebenso lösen, wie andere Glaubensmuster auch, aber die Ursachen werde ich vielleicht nicht mehr ganz aufklären können. Und der Prozess des Bewusstwerdens fällt bei diesen vererbten Mustern etwas schwerer, weil ich mir ihre Herkunft nicht erklären kann. In meiner Arbeit müssen wir hierbei in der Regel auf der Gefühlsebene bleiben. Funktioniert natürlich auch, befriedigt aber eben manchmal nicht unsere Neugierde. Manchmal zeigen sich mir allerdings Bilder möglicher Ursachen vor dem inneren Auge, die einerseits aus vorherigen Leben stammen können oder die Erklärungen für die Herkunft von dem jeweiligen Gefühl liefern.

Warum ich das Thema so wichtig finde? Weil wir all unsere Gefühle und Verhaltensweisen hinterfragen dürfen und entscheiden können, ob wir sie haben möchten oder nicht. Das ist der Weg in echte Freiheit. Sich selbst zu erkennen in all den Facetten und dann neu zu erschaffen. Ängste ablegen, Überzeugungen loslassen, vermeintliche Vorlieben ändern. Es geht darum in die Freiheit und Selbstbestimmung zu kommen.

Meine Adoptionsgeschichte

Dadurch, dass ich bei meinen Adoptiveltern aufgewachsen bin und meine leibliche Mutter mit dreißig und meinen leiblichen Vater ein paar Jahre später kennenlernen durfte, kann ich genau sagen, was ich wirklich in den Genen und in meinem Feld mitbekommen habe.

Ich bin meiner leiblichen Mama sehr ähnlich, sogar äußerlich. Wir lieben beide die Fotografie und haben früher immer Fotobücher von unseren Reisen angelegt. Das Reisen und besonders auch die Dokumentation der Erlebnisse ist und war ein großer Lebensinhalt von uns beiden. Ebenso die Liebe zu Hunden, die mein leiblicher Vater auch hat und die ich als Kind schon gespürt habe. Meine Adoptiveltern hingegen hatten keinen Bezug zu Hunden. So, diese Beispiele werdet ihr so oder ähnlich von Euern Eltern kennen. Nur wenn ihr auch bei ihnen aufgewachsen seid, dann werdet ihr Euch vermutlich nie die Frage gestellt haben, ob die Gemeinsamkeiten Euch in die Wiege gelegt wurden oder ob ihr sie Euch einfach durch den Alltag bei euren Eltern abgeschaut habt.

Erfahrungsbericht über vererbte Ängste und Vorlieben

Die wirklich spannenden Erfahrungen oder Erkenntnisse, hatte ich vor Allem mit meinem leiblichen Papa. Als Teenager hatte ich die Ecke in der mein Bett stand, mit Harley Davidson Bildern und Postern von dem Harley Treffen in Daytona Beach plakatiert. Ich kannte niemanden, der eine Harley fuhr und hatte keinen Schimmer, woher diese Leidenschaft kam. Ich war doch eigentlich an Indianervölkern und dem Leben im Dschungel interessiert. Die beiden Gebiete passten irgendwie nicht zusammen. Bis ich dann meinen leiblichen Papa kennengelernt habe, der eine Harley fährt und natürlich auch ein großer Harleyfan ist. So erfuhr ich auch, dass ich eine leibliche Schwester habe, die nur ein Jahr jünger ist, als ich. Sie ist eine absolut coole Socke, mit einem riesigen Herzen, ist etwas mehr als die meisten Menschen tätowiert und war mal mit einem Mitglied einer namhaften Motorradgang mit verdammt schlechtem Ruf verheiratet. Ein Glück ist das gut zu Ende gegangen! Also auch sie hat die Vorliebe für schwere Maschinen mitbekommen.

Bei unserem zweiten Treffen saßen mein Vater und ich auf der Terrasse einer alten Burg im Schwarzwald und ich stellte ihm eine eigentlich lustige Frage und hätte niemals gedacht, dass er die gleiche Antwort auf sie hatte, die ich auch geben würde: “Was ist dein größter Traum in diesem Leben, den Du Dir ganz realistisch gedacht, vermutlich nie erfüllen wirst?” Seine Antwort war die gleiche wie meine sein würde: “Einen Hubschrauberführerschein zu machen!” Der Knaller oder? Ich meine für viele Menschen wäre es eine andere Antwort, vermutlich für die meisten, aber mein leiblicher Vater und ich hatten die gleiche Antwort.

Meine Kreissägen-Prägung, ein Beweis, dass man Ängste vererben kann

Und nun kommt eine intensive Erfahrung, wie sich ein von meinem Vater erlebtes Drama, lange vor meiner Zeugung, dennoch in meinen Zellen als Angst niederlassen konnte. Ich habe schon immer gerne gebaut und würde von mir sagen, dass ich handwerklich sehr geschickt bin. Mit Anfang 20 kaufte ich mir einen Robur, so einen alten DDR Bus mit riesigen Reifen, Kuhfänger vorne dran und genug Raum für mich und meinen Hund, um darin zu leben.

Die Innenverkleidung war leider etwas marode und auch sonst musste ich ihn erst mal ausbauen, um darin leben zu können. Ich hatte das große Glück und konnte die Werkzeuge eines Arbeitskollegen auf einem alten Fabrikgelände mitbenutzen. Unter anderem eine große Tischkreissäge. Puh, die flößte mir nicht nur Respekt ein, sondern regelrecht Angst. Da werden sich jetzt einige unter Euch denken, das ist doch normal, aber es war mehr als die normale Ängstlichkeit. Das Gefühl war tiefer, es kam irgendwie aus mir heraus und nicht von außen auf mich zu. Außerdem war es begleitet von einer intensiven, blutigen Vorstellung, was alles mit so einer Säge passieren kann. Naja, das meisterte ich dann mit Hilfe von einem mit großer Anstrengung gehaltenem inneren Fokus und der Unterstützung meines Arbeitskollegen. Alleine wäre ich wie gelähmt gewesen und hätte dieses “Monster” nicht benutzen können.

Der Vater meiner Kinder besitzt eine Parkettlegefirma und hat, als er in meine Wohnung mit eingezogen ist, unsere Fußböden schön gemacht. Hierfür brachte er eine etwas kleinere Kreissäge mit. Und wieder traten die heftigen Ängste und blutigen Bilder in mir auf, die über ein natürliches Unwohlsein mit einem nicht ganz ungefährlichen Werkzeug weit hinaus gingen. Im Gegensatz dazu find ich eine Kettensäge oder Stichsäge eher praktisch und nützlich. Bei diesen Werkzeugen entsteht kein Angstgefühl, obwohl sie ja recht ähnlich sind.

Der Vater meines leiblichen Vaters, leider habe ich meine leiblichen Großeltern nicht kennenlernen können, hatte eine Drechselfirma im Hunsrück. Mein Vater hatte viele Geschwister und ich glaube, zumindest einige von ihnen haben dort auch mitgearbeitet. Als mein Vater 15 Jahre alt war, gab es einen Streit zwischen meinem Vater und meinem Großvater. Der Streit fand in der Halle statt, wo die laufenden Maschinen standen. Mein Großvater machte eine ausladende Bewegung mit seinen Armen und landete mit seiner Hand in der laufenden Kreissäge. Ich glaube er verlor 4 Finger und das spritzende Blut war sicher ein traumatisches Ereignis, dass sich für meinen Vater tief in die Erinnerung in seinem Feld oder seinen Zellen eingebrannt hat.

Nach diesem Streit ist mein Vater von zu Hause weggegangen und sein Start ins erwachsene Leben war alles andere als rund. Als er mir diese Geschichte erzählte saß ich in seinem alten, tiefergelegten, gut duftenden Mercedes und wir fuhren über die Serpentinen im Schwarzwald. Die Stimmung der düsteren Tannen, die leichte Übelkeit, ausgelöst durch die vielen Kurven, meine Gefühle, die seine Geschichte auslöste, haben sich zu einem vollständigen Bild entwickelt. Ich war sehr bewegt und gleichzeitig so glücklich über dieses weitere aufgedeckte Memorykarte in meiner Geschichte.

Die Erkenntnis, dass meine Angst vor Kreissägen offensichtlich aus dieser dramatischen Erfahrung meines Vaters mit meinem Großvater herrührte, führte dazu, dass ich meine Angst loslassen konnte. Heute besitze ich sogar eine Tischkreissäge und kann diese benutzen, ohne die blutigen Bilder vor meinem inneren Auge zu sehen.

Auf unserer Reise zu uns selbst ist es aus oben beschriebenen Gründen natürlich nicht immer möglich, die Geschichten zu unseren Gefühlen und Triggern zu erfahren, aber es ist immer möglich unsere Gefühle zu verändern!

Selbsterkenntnis führt in die Freiheit

Wenn Du beginnst, bewusst in Dir aufzuräumen, deine Gefühle zu fühlen und zu sortieren, dann kommst Du an den Punkt, wo Du entscheiden kannst, welche dieser Gefühle Du wirklich haben willst in deinem Leben. Wir dürfen uns entscheiden, was wir fühlen wollen. Wir brauchen uns nicht wie ein Boot auf hoher See hin und her werfen zu lassen, von überwältigenden Emotionen, die wir nicht einordnen können oder die kommen und gehen wie sie wollen. Du bist die Steuerfrau oder der Steuermann über deine Gefühlswelt.

Und warum das so wichtig ist? Unsere Gefühle steuern unsere Erlebnisse in der äußeren Welt. So wie wir uns fühlen, diese Ereignisse ziehen wir in unser Leben. Das heißt, wenn Du glücklich sein möchtest und Situationen erleben möchtest in deinem Leben, dann sei glücklich. Entscheide Dich innerlich, unabhängig von deiner Umweltsituation, in der Du gerade bist, glücklich zu sein. Beginne aus Dir heraus, hoch zu schwingen und Glück zu spüren. Dorthin kommt man mit Meditation, Loslassritualen, Dankbarkeitsübungen oder natürlich mit einem guten Therapeuten/ einer fähigen Therapeutin. Erweitere dein Bewusstsein, erfahre, dass Du nicht deine Gefühle bist, sondern dass Du deine Gefühle bestimmen kannst.

Gerne unterstütze ich Dich auf deinem Weg und begleite Dich durch deine Prozesse.

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