Pflanzenwesen

Knoblauchsrauke, die Gradlinige

Die gewöhnliche Knoblauchsrauke hat für sich eine gerade Linie gefunden. Auf der einen Seite kann sie mit ihren Knoblauchsrauken Gesellinnen einen ganzen Wegesrand begrünen, aber auch alleine im Wald findet sie es gemütlich. Ebenso in einem begrenzten Quadrat auf einem Bürgersteig mitten in Berlin. Jede einzelne Knoblauchsrauke gestaltet ihr Dasein ganz individuell. Das dürfen wir von ihr lernen. Es ist nicht nötig nach den anderen zu schauen. Oder uns mit ihnen zu vergleichen, um dann zu dem Entschluss zu kommen, die Anderen machen eh immer alles besser, schneller oder schöner als ich. Puh! Niemals würde dieses wunderbare, auf mich, trotz der großen Blättern irgendwie schlanke Pflanzenwesen, auf die Idee kommen, auf die anderen zu gucken und sich schlechter zu empfinden. Gradlinig steht sie einfach auf ihrem ganz individuellen Weg.

Mein persönliches Knoblauchsrauken-Drama

Letztes Jahr war mein Knoblauchsraukenjahr. Kennt ihr das, dass manche Pflanzen einem lieber sind als andere, man sich ganz besonders hingezogen fühlt und sie einem plötzlich besonders gut schmecken oder man sich in ihrer Nähe besonders wohl fühlt? So war es letztes Jahr mit meiner Knoblauchsrauke. Ich arbeitete an einem Gartenprojekt mit. Biologisch-Spirituell und mit super lieben Menschen. Am Zaun wuchsen etliche Knoblauchrauken und bei jedem Besuch zupfte ich sachte ein paar Blätter. Nur nicht zu viele, damit die anderen auch noch was hätten von dieser wundervollen, zarten und leckeren Pflanze. Und dann, ein paar Tage später, kam ich wieder zum Garten und sie hatten den schmalen Streifen am Zaun gemäht. Tragischerweise sind diesem unnützen, unsensiblen Gemetzel auch meine gehüteten Knoblauchsrauken-Pflanzenwesen zum Opfer gefallen. Vielleicht haltet ihr mich für ein wenig zu sensibel, aber das hat mich wirklich wahnsinnig betroffen gemacht. Mir fiel daraufhin auch immer mehr auf, dass trotz des biologisch-spirituellen Ansatzes des Gartenprojekts sehr wenig auf die Wildkräuter geachtet wurde, die schon da waren. Warum nur wollen wir Menschen der Natur so oft unser Ding aufzwingen, anstatt sie einfach sein zu lassen?

Ein paar Fakten über die Knoblauchsrauke

Die gewöhnliche Knoblauchsrauke hat zwei ganz verschiedene Blattformen, die unteren Blätter sind eher nierenförmig, während die Oberen spitz zulaufen. 4 weiße Blütenblätter sitzen in kleinen Trauben am Stängel. Wie bei vielen Wildkräutern schmecken die Blätter vor der Blüte am leckersten. Sie schmecken ganz sanft nach Knoblauch eben, so sanft, dass man keine Fahne bekommt 😉 . Als Frühjahrskur kann man aus ihr einen Saft pressen, wobei ich einen frischen Salat bevorzuge. Die Knoblauchsrauke enthält viel Vitamin C und A, Saponine, ätherische Öle und Mineralstoffe und wirkt antiseptisch aufgrund ihrer Senfölglykoside. Sie wurde früher als Heilmittel zur Festigung von Zähnen und Zahnfleisch verwendet, aber auch als Wurmmittel. Zur Blütezeit gesammelt wirkt die Knoblauchsrauke hustenlösend und ist gut bei Asthma.

Wenn Du mehr über Wildkräuter erfahren möchtest, so kann ich Dir dieses ganz wundervolle Buch empfehlen: Wildpflanzen zum Genießen von Rita und Frank Lüder

Schreib doch gerne etwas in die Kommentare. Wo hast Du die Knoblauchsrauke schon gefunden? Wozu hast Du sie geerntet? Magst Du ihren Geschmack? Du kannst auch Deine Website eintragen, so kannst Du ein wenig Werbung für Dich machen und Dich verlinken.

2 Comments

  • Christine Diehl

    Dein Text berührt mich sehr liebe Birgit!! Auch hier sage ich einfach DANKE!!! Danke für Dein Teilen, Dein “Übersetzen”, Dein Impulse setzen….es bringt mich zum Nachdenken, wie auch ich so viele Jahre unbewusst durch die Gegend gelaufen bin, obgleich stets behauptend naturverbunden zu sein, hätte ich Dir nie eine Knoblauchsrauke, Brunnenkresse oder gar den “meinen” in diesem Jahr entdeckten Giersch ;-), zeigen können….so stecken alle Antworten, wie “geheime Verstecke” in unserer unmittelbaren Umgebung, wenn wir uns nur entscheiden, hin zu schauen….dann öffnen sich unsere Schleier vor uns und wir erkennen vielleicht wieder wie überlebenswichtig unsere Verbindung zu Mutter Erde ist…DANKE dass Du mich mit Deinem Schreiben daran erinnerst, immer wieder stehen zu bleiben….zu atmen….zu schauen….und die Welt der Natur….des Waldes mit ganz neuen Augen zu sehen….Deine Christine

    • Birgit

      Liebe Christine, danke Dir für dieses wundervolle Feedback. Das motiviert natürlich ganz besonders, weiter so zu schreiben. Ich hoffe, es wird noch vielen Lesern so gehen wie Dir! 🦄💗🙏🌷🌿🌸

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.