Pflanzenwesen

Brunnenkresse, die Klarheit schaffende

Über das Wesen der Brunnenkresse

Was macht ein Wildkräuterli für mich zu einem echten Pflanzenwesen? Im Grunde ist ja jedes Pflänzchen ein Wesen und hat ein Seelchen. Hat außer seinen Inhaltsstoffen auch noch eine magische Seite. Etwas, was wir Menschen eher fühlen, als sehen oder schmecken können.

Ich glaube auch, dass bestimmte Pflanzen zu bestimmten Zeiten in unser Leben treten und mit uns Kontakt suchen. Vielleicht, weil wir genau zu diesem Zeitpunkt ihre Heilwirkung nutzen könnten, wenn wir es bemerken würden. Letztes Jahr war es ganz deutlich die Knoblauchsrauke für mich gewesen. Was für eine Liebesgeschichte und leider ohne Happy End. Ich werde berichten, im nächsten Artikel. Heute geht es aber um die Brunnenkresse:

Unsere erste Begegnung hatten wir dieses Jahr Mitte März. Für mich überraschend, denn ich hatte sie weder gesucht, noch erwartet. Aber plötzlich was sie da. An der Quelle eines zarten, klaren Bächleins im Hohen Fläming. Auch dies hatte ich bei unserer Wanderung nicht erwartet. Magisch war der mit Laub bedeckte Boden und die Stille des noch winterlichen Waldes. Trist braun-grau war noch alles um uns herum. Und dann der Blick ins Wasser: alles grün. Zart noch, noch nicht so riesig gewachsen, wie Ende April bei meinem zweiten Besuch.

Brunnenkresse und die universelle Wahrheit

Brunnenkresse ist ein Pflänzchen, auf dem sich Wassergeister und Elfchen verstecken können. Sie bietet sozusagen Verstecke auf dem Wasser. Zudem wächst eher träge, ganz langsam dem Licht entgegen, aber sie braucht es auch nicht, das schnelle Wachsen. Das höher, besser, schneller Streben ist ihr fremd. Sie steht im Wasser und die Grenzen des Außen und Innen, die Bewegungen der Flüssigkeiten, sind verwaschen. Das Wasser ist klar, rein und fließend. Es plätschert dahin und wenn man aufrichtig lauscht, dann hält es Wahrheit für einen bereit. Deutlicher hier in dem kleinen Bächlein, als in einem großen breiten Strom, wie vielleicht bei meiner geliebten Elbe. Ebenso haben die kleinen Pflanzenwesen die universelle Wahrheit getankt. Man kann sie aufnehmen, indem man sie vernascht. Aber nicht zu viel, nur in kleinen Häppchen ist dies möglich, das merkt man schnell an der Schärfe, dass es gar nicht anders geht. Die volle Wahrheit könnten wir auch nicht auf einmal verkraften. Man kann sich hier reinwaschen, wenn Unklarheiten im Geiste wabern. Vielleicht durch ein Fußbad im kalten Nass, aber auch durch einen kleinen Happen der Brunnenkresse. Sie tut gut, reinigt, verschafft Klarheit, räumt unseren Geist auf und bringt uns die Wahrheit, sie wäscht uns sozusagen von Unklarheiten, von Uneinigkeiten rein.

Woher ich all das weiß? Ich hab einfach angedockt an diesem zarten, prall mit Klarheit und Weisheit durchzogenen Pflanzenwesen. Und dann fließt es hier auf die Tasten meines Laptops. Ach wie gerne wäre ich jetzt wieder dort, in der Stille dieses magischen Waldes. Wie schön, dass es Dich gibt und ich wiederkommen darf.

Ein paar Fakten über die Echte Brunnenkresse

Wenn ich lese, dass die Brunnenkresse ein schmackhaftes Wildgemüse sei, dann kann ich dem nur halb zustimmen, denn durch die Senfölglykoside ist sie nicht nur sehr scharf, sondern auch ein wenig bitter. Ich würde sagen, sie ist mehr ein Würzkräuterli. Größerer Mengen kann man davon wohl eher nicht essen. Dennoch, durch die leicht fleischigen Blätter und dem hohen Gehalt an Vitamin C & A, bereichert sie jeden Salat. Bei gekochten Gerichten am besten erst am Ende dazu geben. Sie wirkt antibiotisch, appetitanregend, blutreinigend und harntreibend. In der Volksmedizin wird sie bei Husten und Bronchitis, sowie Rheuma und Gicht verwendet. Dieses Wildkräuterli ist also bestens für Deine Frühjahrskur geeignet. Es ist übrigens den ganzen Winter grün und ist, je nach Region eines der neun Kräuterlies für die Gründonnerstagssuppe. Ich mag sie auch gerne mit in einen Kräuterquark geben. Wichtig beim Sammeln ist, dass Du die Wurzel nicht mit ausreißt, denn das passiert leicht, ist sie doch in dem feuchten Bachgrund nicht wirklich fest verankert, sondern am besten eine Schere oder ein scharfes Messer benutzt. Sammle so, dass man gar nicht sehen kann, dass Du da warst.

Wenn Du mehr über Wildkräuter erfahren möchtest, so kann ich Dir dieses ganz wundervolle Buch empfehlen: Wildpflanzen zum Genießen von Rita und Frank Lüder

Schreib doch gerne etwas in die Kommentare. Wächst die Brunnenkresse auch bei Dir? Wozu hast Du sie geerntet? Was bedeutet sie für Dich? Du kannst auch Deine Website eintragen, so kannst Du ein wenig Werbung für Dich machen und Dich verlinken.

2 Comments

  • Christine Diehl

    vielen Dank für diesen wunderschönen Artikel!! Dank Deinen Worten kommt die Erinnerung zurück, dass Mutter Natur uns mit allem, was wir körperlich, seelisch und mental brauchen versorgt. Wir brauchen nichts anderes zu tun, als hinzuschauen 😉 Nun werde ich mich denn auch mal auf die Suche nach Brunnenkresse machen 🙂 DANKE für Deine Verbundenheit und Dein Dasein als Natur-Botschafterin 🙂 Ich sollte auch öfter einfach nur dasitzen und ZUHÖREN, was sie mir zu sagen hat. Danke für Dein Beispiel!!!

    • Birgit

      Was für eine wunderschöne Idee mit dem einfach mal dasitzen und zuhören! Ja, Mutter Natur hält für jeden ganz individuell hilfreiche Antworten parat. Für absolut jeden, der sich die Zeit nimmt, zu lauschen. 🙏🦄🌷🌿🌞🌸💗

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